IV-Stelle Luzern: Wenn der Amtsschimmel wiehert

Liebe Leserin
Lieber Leser

Stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind mit einem weiblichen Gehirn auf die Welt gekommen, aber die Natur hat Ihnen unpassend dazu einen durch und durch männlichen Körper beschert. Da das Gehirn immer nur im Hintergrund arbeitet (still und unauffällig), sind Sie erst im Alter von 25 Jahren darauf gekommen, was genau mit Ihnen los ist.

Klar, Sie haben schon als Kind Empfindungen eines Mädchens gehabt und die männlichen Attribute Ihres Körpers kamen Ihnen seltsam fremd vor. Inzwischen wissen Sie , dass Ihr diffuses Leiden „am Leben“ auch auf diesen geschlechtlichen Zwiespalt zurückzuführen ist.

Was tun?

Für solche Probleme hat die Medizin eine Lösung parat: Da man das Gehirn nicht austauschen kann, bleibt nichts anders übrig, als den Körper geschlechtlich dem Gehirn anzupassen. Durch Einnahme weiblicher Hormone und durch verschiedene Operationen kann die Medizin den Körper verweiblichen. Die Praxis zeigt, dass nach einer Reihe verweiblichender medizinischer Massnahmen die Betroffenen ihren Frieden finden, glücklich und zufrieden werden.
Denn: Nach der Angleichung passen Gehirn und Körper geschlechtlich endlich zueinander.

Nun zu unserem Fall. Carina (Name geändert), 25 Jahre alt, hat begonnen, ihren Körper verweiblichen zu lassen. Sie nimmt verweiblichende Hormone. Eine Verweiblichung des Gesichts erfolgte im medizinischen Wunderland Belgien (dort gibt es Spitzenchirurgen wie Dr. van de Ven und Dr. van der Dussen, die sich auf Gesichtsverweiblichungen spezialisiert haben).
Jetzt bereitet sie die Angleichung ihrer Genitalien vor: Sie hat sich dazu die beiden weltbesten Operateure ausgesucht: Dr. Suporn und Dr. Banks in Thailand. Die Geschlechtschirurgen in der Schweiz , so befürchtet Carina, können ihr nicht helfen. Ihre Operationstechniken sind hoffnungslos veraltet. Ausserdem operieren sie viel zu selten. Entsprechende monströse Horrorgeschichten von Patientinnen, die sich in der Schweiz unters Messer gelegt haben, machen unter Betroffenen die Runde.

Carina leidet massiv unter ihrer männlichen Kopfbehaarung. Ungewöhnlich für eine 25-jährige: Sie hat eine markante Halbglatze. Also muss eine Perücke her.

Für Perücken ist in der Schweiz nicht die Krankenkasse zuständig, sondern die Invalidenversicherung.
An sich kein Problem: IV-Stellen wie Zürich, Aarau usw. verfügen nach Antragstellung den jährlichen Perücken-Zuschuss von 1500 Franken mindestens für 5 Jahre oder sogar „lebenslänglich“ (z.B. SVA Zürich).
Denn der gesunde Menschenverstand sagt: Eine Glatze bleibt eine Glatze.

Ja, nur Carina hat Pech. Sie wohnt im urkatholischen Kanton Luzern und da ist die IV-Stelle Luzern zuständig.
Ansich gilt Luzern als eine beim Thema Transsexualität aufgeschlossene IV-Stelle.

Nicht so in diesem Fall.
Carina bekam den Perückenzuschuss für ganze 15 Monate genehmigt. Danach ist ein neuer Antrag zu stellen.
Carina hat sich das durchgerechnet: Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von knapp 83 Jahren sind noch 38 Anträge zu stellen.
Völlig unverständlich, denn im ärztlichen Gutachten steht klar, dass sich am Befund nichts mehr ändern wird. Ohne Perücke sieht Carina wie Theo Kojak alias Telly Savalas aus.
„Entzückend.“

„Wem Gott gab ein Amt, dem gab er auch Verstand.“
Ein im Volk weit verbreitetes Vorurteil.

Wir werden weiter berichten.


Luzern