Geschlechtsangleichende Gesichtsoperationen – anrüchig?

Im Zuge meiner Beschäftigung mit gesichtsfeminisierenden Operationen stosse ich immer wieder auf seltsame Positionen. Derzeit schreiben wir für das Joanna Briggs Institut eine Übersichtsarbeit über die klinischen Studien, die es zum Thema FFS gibt. Zusammengefasst: Es gibt nicht viele und zudem nur schlechte Forschung auf diesem Gebiet. FFS ist offensichtlich genauso ein Stiefkind der geschlechtsmedizinischen Wissenschaft wie HRT, SRS, Epilation usw.

Ok, Transsexualität mit knackharten geschlechtlichen Körperdiskrepanzen, bei der man operieren muss, ist relativ selten. Da hilft es auch nichts, wenn unsere famosen Trans*vereine „Trans*“ gleich mal zum identitätsschwangeren Massenphänomen erheben und verzweifelt versuchen mit solchen All-inclusive-Definitionen um gnädige Beachtung zu betteln.

Es wird wohl so sein: Menschen, die unter der Kernproblematik einer massiven geschlechtlichen Körperdiskrepanz leiden, welche Operationen erfordern, sind eher selten. Verglichen mit Cross Dressern und anderen sog. „Trans* Menschen“.

Menschen, die unter ihren geschlechtlichen Gesichtsdiskrepanzen entsetzlich leiden, sind noch seltener …

Dementsprechend ist die Zahl der internationalen Zentren, in denen operative geschlechtliche Gesichtsangleichung (Gesichtsfeminsierung/FFS und -maskulinisierung/FMS) angeboten wird, überschaubar. Damit meine ich nicht die Ritter aus dem Bereich der plastischen Chirurgie, die ihre Gesichtsverschönerungsaktionen als „Feminisierung“ verkaufen. Sondern Zentren mit weltweitem Zulauf, in denen man geschlechtsangleichend den Schädelknochen zu Leibe rückt. Derlei ist eine hohe Kunst, man braucht einige Jahre einschlägige Spezialisierung als Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg, um eine gute Kinnplastik, Stirnrekonstruktion (Typ III und IV) und gut sitzende/geformte Knochenimplantate hinzubekommen.

Da es eine Minigruppe ist, die derartige Operationen benötigt, hat sie auch keine grosse Lobby. Krankenkassen versuchen in ihrem neoliberalen Sparwahn Anträge auf Kostenübernahme gleich mal abzuschmettern. Die Vertrauensärzte haben meist von der medizinischen Thematik der FFS und FMS Null Ahnung, verwechseln das mit Schönheitsoperationen oder finden das Gesicht auf dem Ausweisfoto eh „nicht entstellend“. So geschehen vor wenigen Tagen: Die Patientin hatte präoperativ so ein richtiges männliches Frankensteingesicht, unter dem sie herzzerreissend litt. Dieses Gesicht befand der Vertrauensarzt der Helsana (Schweizer Krankenkasse) als „durchaus weiblich“ und lehnte knackhart die Kostenübernahme ab. Sie unterzog sich einer FFS-Operation bei Dr. van der Dussen, der sie aus ihrem Gesichts-KZ erlöste.
Die Helsana scheint in diesem Fall erbarmungslos und die Äusserungen des Vertrauensarztes wirken absolut zynisch. Da könnte ja jede kommen. Derzeit steuern wir in Richtung Bundesgericht/Strassburg. Denn das Königsargument war natürlich: Das könnte man auch in der Schweiz operieren lassen. Und somit gilt der heilige Schweizer Heimatschutz. Bloss kein Geld für medizinische Behandlungen im AUSLAND verplempern. Die Fränkli, Schwyzerdüütsch „Stutz“, sollen schön in der Schweiz bleiben. Umgekehrt hat niemand was dagegen, wenn Superreiche ihr Geld hinter den Schweizer Heimatwall schaffen. Das unterliegt dann auch dem Heimatschutz.

Ausserdem: UNSERE ÄRZTE KÖNNEN ALLES. Das glauben der Schweizer Bundesrat (= Regierung), der Nationalrat und der Ständerat (= Schweizer Parlament), die Krankenkassen, das Bundesamt für Gesundheit in Bern, die Schweizer Psychologen, die sich auf „Trans* menschen“ spezialisiert haben und natürlich die Schweizer plastischen Chirurgen (siehe oben).

Das Problem ist: Wie schlimm Menschen unter geschlechtlichen Gesichtsdiskrepanzen leiden können, ist in einer Dschungel-Camp-orientierten Medienlandschaft kein Thema. Auch bei Ärzten nicht. Hausärzte bis hin zu Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen haben meist keinerlei Kenntnisse über diese Operationen. Absolutes Minderheitenprogramm. Über die plastisch-chirurgischen Gelegenheitsfeminisierer (ein bisschen Gesichtsstraffung und Lidstraffung, gern auch Fetteinspritzung und fertig ist die „Feminisierung“ des Gesichts) siehe oben. Ein ärztlicher Kollege, dem ich über FFS erzählte, meinte: „Was es nicht alles gibt!!“
Jo.

Merke: Nicht die Umwelt ist verrückt, sondern die Menschen mit Gesichtsdiskrepanzen. Und diese gewissenlosen FFS-Chirurgen „im Ausland“, die um des Business willen fast jeden Wunsch erfüllen. So eine EMMA-lesende ärztliche Kollegin mir gegenüber. Vorher hatte sie sich über junge Mädchen echauffiert, die ihre Frauenrolle nicht akzeptieren und in die Männerrolle flüchten. Es würde „mit dem Trans-Getue“ immer „schlimmer“. Das sei „doch alles“ eine zeitgeistige Modeerscheinung.

Innerhalb der „Trans“-Community, also den Netzwerken der „Betroffenen“ geben die Psychologisierer den Ton an. „Trans-menschen“, so nennen sie sich, haben vor allem ein psychisches „Geschlechts-Identitätsproblem“, kein körperliches. Denn: Man erkennt das biologische Geschlecht immer an der Genitalien. Ganz einfach. Und davon würde die psychische Geschlechtsidentität ( „Transindentität“) abweichen. Ganz kompliziert.

Die medizinische Kompetenz mancher Trans-Selbsthilfe-Vereine und -gruppen ist erbärmlich. Die medizinischen Aspekte der körperlichen Geschlechtsangleichung interessieren nur am Rande. Alles Psycho oder was?

Ein*e Queer-Aktivist*in, die sich lautstark als „nicht-binär“ plakatierte, meinte mir gegenüber reichlich unverhohlen : „Ah, warum lassen sich Betroffene unbedingt ihr Gesicht verstümmeln? Sie sollen zu sich stehen. Man sollte sichvom binären patriarchalischen Geschlechts-Diktat nicht verunsichern lassen. Wir haben alle unser Päckli …

Es gibt noch viel zu diskutieren. „Packen“ wir es an …