NEUROENDOKRINOLOGIE

Das Körperparadigma beginnt sich in den wissenschaftlichen Diskursen zum Thema neurointersexueller Körperdiskrepanz (NIBD) allmählich durchzusetzen und die psychosexologische bzw. sexualpsychiatrische Sicht von „Transsexualität“ zu ersetzen. Die aktuelle Situation ist durch Versuche der Sexologie bzw. Psychiatrie gekennzeichnet, diesbezüglich das Rad der Geschichte zurückzudrehen, man will weiterhin an der Psychopathologisierung transsexueller Menschen festhalten. So ist es den Psychosexologen und Sexualpsychiatern noch einmal gelungen durch Verankerung des Etiketts „Gender dysphoria“ im neuen DSM V Menschen mit NIBD weiterhin als geisteskrank zu deklarieren, denn welchen Sinn würde es sonst machen, „Gender dysphoria“ im offiziellen US-amerikanischen Diagnosenkatalog als psychische Störung zu führen? Sexualpsychiatrie und Psychosexologie versuchen also zu retten, was zu retten ist. Zu diesen restaurativen Bemühungen zählt auch der Versuch „psychiatrische AWMF-Guidelines“ zu entwickeln. Die psychiatrischen und sexologischen Fachgesellschaften wollen Menschen mit NIBD einfach nicht in die Freiheit von der Psychiatrie bzw. Psychosexologie entlassen.

Es wird allerdings immer schwieriger, diese überholten Positionen aufrecht zu erhalten. Die Frankfurter Konferenz vom Februar 2016 kann dabei getrost als weiterer Meilenstein zur Überwindung des alten Paradigmas angesehen werden. Die Neurowisssenschaften, das wurde auch auf diesem Kongress eindrucksvoll belegt,  können eindrucksvoll und evidenzbasiert den somatischen Charakter der Grundproblematik von NIBD belegen.

Das bedeutet, dass nach dem Scheitern der Sexualpsychiatrie und Psychologie in Bezug auf "das transsexuelle Phänomen“ auch die therapeutischen Ansätze neu zu konzipieren sind.

Gemäss dem neuen Körperparadigma kommt der Neuroendokrinologie nicht nur beim Verständnis, sondern auch bei der therapeutischen, primär körpermedizinischen Neuausrichtung eine zentrale Rolle zu. Leider sind Gynäkologie und Endokrinologie noch unzureichend darauf vorbereitet. Eine eigenständige, genuine, von tiefgehender Kenntnis der endokrinologischen bzw neuroendokrinologischen Zusammenhänge bei NIBD sind Gynäkologie und Endokrinologie noch weit entfernt. Die meisten in der Community wissen leider auch noch nicht  so richtig über ihre Hormone Bescheid, so dass Verhandlungen mit Gynäkologen und Endokrinologen oft etwas einseitig verlaufen.

Diesem Missstand will die folgende Artikelserie abhelfen. Die Artikel sind bewusst verständlich geschrieben, so dass man auch ohne Medizinstudium lernt, die spannende Welt der Neuroendokrinologie zu erkunden und zu verstehen.

Viel Spass beim Lesen der Artikel. 

 

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