Progesteron und Brustkrebspathogenese

Die Autorin des eben betrachteten Papers, Cathrin Brisken, untersucht hier zusammen mit Kathryn Hess und Rachel Jeitziner, wie Progesteron in der Brust wirkt und welchen Faktoren in der heutigen Krebsbehandlung mehr Beachtung geschenkt werden müsste.

Wie auch schon im Paper von 2010, welches bereits besprochen wurde, untersuchen die Autoren Faktoren der Zellproliferation, also der Zellteilung bzw. des Gewebewachstums. Diese werden als Faktoren für die Entstehung von Krebs (Karzinogenese) herangezogen, wobei grundlegendere Ursachen für die Mutation von Zellen und dem Versagen des “Zellsuizid”-Programms (Apoptose) nur beiläufig betrachtet werden. Hauptsächlich wird auf die Wachstumsfaktoren eingegangen , welche den Faktoren für physiologisches (“normales”) Gewebewachstum ähneln. Damit wird auch dieses Paper wieder interessant für Menschen, die mehr über physiologisches Brustwachstum “an sich” wissen wollen.

Die Parallelen zum Paper über Hormonaktivität in der Brustdrüse sind offensichtlich (siehe oben). Aber es treten auch neue Gesichtspunkte hinzu. Der erste betrifft den Einfluss von Progesteron auf Stammzellenproliferation und -aktivierung in der Brustdrüse: Es zeigte sich , dass dieses Hormon einen wichtigen Regulator in diesen Prozessen darstellt. Zwei Proteine dienen hierbei als Ansatzpunkt der über Progesteronrezeptoren vermittelten Kaskadenreaktion:

Der Transkriptionsfaktor NFκB, welcher in fast allen tierischen (und somit auch menschlichen) Zellen vorkommt und eine große Rolle in der Immunantwort, der Zellproliferation und dem Zelltod spielt und WNT4. Wird letzteres aktiviert, verstärkt es weibliche Entwicklungsaspekte wie die Bildung von Eierstöcken und der Unterdrückung des Proteins 5α-Reduktase. Fehlt es oder wird es unterdrückt, entsteht ein Organismus mit männlich genitalen und gonadalen Geschlechtskörpermerkmalen.

Die untersuchten Studien dieses Papers zeigen auch, dass die Zellproliferation des Brustdrüsengewebes vom jeweiligen Abschnitt des Zyklus abhängig ist: Sie findet vor allem in der Lutealphase mit den maximalen Progesteronspiegeln statt, also die hohen Östrogenspiegel aus der Follikularphase wieder abgesunken sind, und der anschliessende Eisprung mit seinen Spitzen für die Hormone LH und FSH erfolgt ist .

Eine der wesentlichen Aussagen in diesem Paper ist aber, dass eine Hormonersatztherapie gewaltigen Einfluss auf das Brustkrebsrisiko hat. Studien zeigen, dass eine Therapie mit "Östrogenen allein" das Brustkrebsrisiko senkt, während eine Kombinationstherapie mit Östrogen und Progestinen das Risiko signifikant erhöht. Randomisierte Studien, bei denen Östradiol allein mit der Kombination von Östradiol und Progesteron verglichen wurden, werden nicht angeführt. Aber: Frauen, die mit einem Präparat aus Ethinylestradiol und Progestin verhüten, sind einem um 24% erhöhten Brustkrebsrisiko ausgesetzt.

Auch dieses Paper weist darauf hin, dass allein die schiere Komplexität des Hormonorchesters dazu führt, dass die Entwicklung der Brustdrüsen und ihr Lebenszyklus noch immer nicht vollständig verstanden sind. Gegenstand der Forschung ist unter anderem, welche Rolle der Wnt-Signalpfad bei der Verstärkung des Brustkrebsrisikos spielt im Moment wird nur vermutet, dass er eine Rolle spielt. oder auch wie BPA und andere endokrine Disruptoren wirken. 

 

 

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