GRADE WORKING GROUP

Angenommen Sie haben in einem Review herausgefunden, dass ein diagnostischer Test X sehr genau ist und die Studien klar belegen, dass man vor allem bei bestehenden Verdachtsdiagnosen durch den Einsatz des Tests abschliessende diagnostische Sicherheit bekommt (fast 100%ige Sicherheit).
Bedeutet dies, dass der Test in Zukunft breit angewendet werden sollte? Dass er in Zukunft zum diagnostischen Werkzeug jedes Hausarztes werden sollte?
Nehmen wir weiter an, der Test ist sehr teuer. Und die Diagnose, die durch den Test mit Sicherheit gestellt werden kann, betrifft eine Krankheit, gegen die die Medizin machtlos ist, es gibt keine vernünftige Therapie, die helfen könnte. Man weiss aber, dass diese Krankheit normalerweise in 4 Jahren zum Tode führen wird. Ausserdem tritt die Krankheit unter 1 Millionen Menschen einmal auf. Ist unter solchen Bedingungen der Einsatz dieses Tests eigentlich überhaupt zu rechtfertigen? Obwohl der Test todsicher funktioniert (im wahrsten Sinn des Wortes).

Um solche komplizierten Problemstellungen zu bewältigen, wurde im Jahr 2000 eine Arbeitsgruppe namens GRADE ins Leben gerufen. Diese Gruppe, die GRADE working group entwickelte in den Folgejahren eine Art flexiblen „Werkzeugkoffer“, mit dem man auch solchen vertrackten Problemen wie dem eben beschriebenen zu Leibe rücken kann.

GRADE ist eine Abkürzung und bedeutet “Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation”. Damit ist gemeint, dass man mit diesem Methoden-Werkzeugkoffer Empfehlungen aufgrund der vorhandenen Beweiskraft von Studien ausarbeiten kann. Wobei – wie unser obiges Beispiel zeigt – eine guter Test oder eine gute Behandlungsmethode keineswegs automatisch in der Praxis breit eingesetzt werden muss. Daher wird mit dem GRADE-Baukasten-System in einem ersten Schritt überprüft, ob der Test/die Therapiemethode wirklich wissenschaftlich „standhält“, mit anderen Worten, ob die Studien sauber und seriös die Genauigkeit bzw. Wirksamkeit belegen. In einem zweiten Schritt wird dann der Empfehlungsgrad bestimmt: Es wird systematisch herausgearbeitet, in welchem Ausmass der Test/die Therapie empfohlen/abgelehnt werden sollte. Dabei fliessen zahlreiche Gesichtspunkte in die Bewertung ein, wie z.B. die Wertvorstellungen von Patienten, Kosten/Wirtschaftlichkeit usw.

Die Trans-Evidence Working Group stützt sich bei ihren evidenz- und empfehlungsbezogenen Aktivitäten prinzipiell auf die Philosophie und die Prinzipien, die von der GRADE working group ausgearbeitet wurden und verwendet das GRADE-System ohne Modifikationen.

Die 7 Kriterien der GRADE working group sind Richtschnur unseres Engagements.

  1. “Quality of evidence” should be defined consistently with one of the two definitions (for guidelines or for systematic reviews) used by the GRADE Working Group.
  2. Explicit consideration should be given to each of the GRADE criteria for assessing the quality of evidence (risk of bias/study limitations, directness, consistency of results, precision, publication bias, magnitude of the effect, dose-response gradient, influence of residual plausible confounding and bias “antagonistic bias”) although different terminology may be used.
  3. The overall quality of evidence should be assessed for each important outcome and expressed using four (e.g. high, moderate, low, very low) or, if justified, three (e.g. high, moderate, and very low and low combined into low) categories based on definitions for each category that are consistent with the definitions used by the GRADE Working Group.
  4. Evidence summaries (narrative or in table format) should be used as the basis for judgements about the quality of evidence and the strength of recommendations. Ideally, full evidence profiles suggested by the GRADE Working Group should be used and these should be based on systematic reviews. At a minimum, the evidence that was assessed and the methods that were used to identify and appraise that evidence should be clearly described. In particular, reasons for up and downgrading should be described transparently.
  5. Explicit consideration should be given to each of the GRADE criteria for assessing the strength of a recommendation (the balance of desirable and undesirable consequences, quality of evidence, values and preferences, and resource use) and a general approach should be reported (e.g. if and how costs were considered, whose values and preferences were assumed, etc.).
  6. The strength of recommendations should be expressed using two categories (weak/conditional and strong) for or against a management option and the definitions for each category should be consistent with those used by the GRADE Working Group. Different terminology to express weak/conditional and strong recommendations may be used, although the interpretation and implications should be preserved.
  7. Decisions about the strength of the recommendations should ideally be transparently reported."

 

 

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