DIE UNBESTECHLICHEN

Cochrane-Reviewer sollten völlig frei von Einflüssen sein, die in Geldzahlungen, Sachleistungen oder Subventionen aus irgendwelchen Finanzquellen wurzeln – Einfluss“faktoren“, die möglicherweise oder klar erkennbar mit Interessen an einem bestimmten, gefälligen „Ergebnis“ zu tun haben. Es sollte eine klare Trennlinie zwischen der Erstellung von Cochrane Reviews und jeder Finanzierung aus kommerziellen Quellen mit finanziellen Interessen an den Ergebnissen von Cochrane Reviews bestehen / gezogen werden. Schlichter formuliert: Sponsoring eines Cochrane-Review durch irgendwelche kommerziellen Quellen ist verboten. Anderweitiges Sponsoring ist erlaubt, aber ein Sponsor darf nicht die Veröffentlichung eines Cochrane-Review verhindern oder verzögern und ein Sponsor sollte keinesfalls in der Position sein, die Unabhängigkeit der Reviewautoren zu unterminieren, vor allem was die Durchführung des Reviews anbetrifft.

Im Protokoll des Cochrane-Review ist explizit dazu Stellung zu nehmen, dass kein Sponsor bestimmte Review-Ergebnisse verhindern kann.

Diese eisernen Regeln gelten auch für „Weiterverarbeitungen“ von Cochrane Reviews, sodass kommerzielle Sponsoren auch hier „Missliebiges“ nicht verhindern oder beeinflussen können. Die Entgegennahme von irgendwelchen Wohltaten seitens gesponsorter Forschung muss deklariert werden und Interessenskonflikte müssen in der CDSR und anderen Publikationen, die mit Cochrane in Zusammenhang stehen, offengelegt werden.

Es gibt den strengen Cochrane Verhaltenskodex (siehe unten). Falls in einem Reviewentwurf das Thema Interessenkonflikt auftaucht, sollte das Problem an den Cochrane „Sponsor-Schiedsrichter“ weitergeleitet werden.

Es ist nicht zwingend, im Vorfeld (vor der Zusage) jedes Finanzierungskonzept an das regionale Cochrane Zentrum oder die Lenkungsgruppe zu senden. Dies ist jedoch wünschenswert bei Spenden mit bestimmten „Auflagen“ oder Zuwendungen, die mit dem allgemeinen oben erwähnten Cochrane-Grundsätzen in Kollision zu geraten scheinen.

Finanzielle Interessenkonflikte spielen in der Praxis die grösste Rolle, sie können und sollten vermieden werden, ansonsten sind sie offen zu legen (wenn es denn welche gibt). Auch sog.sekundäre Interessen (wie z.B. persönliche Konflikte), die reviewbezogene Entscheidungen mitunter sehr stark beeinflussen können (beispielsweise bezüglich der Aufnahme oder dem Ausschluss von Studien, der Einschätzung von Bias-Effekten oder der Interpretation der Ergebnisse), sind offen zulegen. Ein Klassiker: Ein Review-Autor ist zugleich auch Autor einer potenziell für den Review relevanten Studie. Auch dies sollte im Rahmen des Reviews offen gelegt und, soweit möglich, sollte ein zweiter unabhängiger Autor (ohne Interessenkonflikt) eine unabhängige Beurteilung der Studienauswahl und des Bias-Risikos vornehmen.

Die Offenlegung von Interessenkonflikten mindert nicht unbedingt  den Wert eines Reviews und ist auch nicht automatisch etwas Ehrenrühriges. Allerdings können Interessenkonflikte die Beurteilungen auf subtile Weise beeinflussen. Autoren sollten die Redakteure ihrer Cochrane Review Group bezüglich potentieller Konflikte nicht im ungewissen lassen, auch wenn sie felsenfest davon überzeugt sein sollten, dass ihre Beurteilungen nicht beeinflusst würden oder wurden. Die Redakteure können dann entscheiden, dass die Offenlegung nicht gerechtfertigt ist, oder sie können entscheiden, dass die Leser von einem solchen Interessenkonflikt Kenntnis haben sollten, so dass diese sich diesbezüglich ein eigenes Urteil bilden können. Entscheidungen darüber, ob solche Informationen zu veröffentlichen sind oder nicht, sollten in jedem Fall gemeinsam von Autoren und Redaktion getroffen und getragen werden.

Um die Integrität bzw. die wahrgenommene Integrität des Cochrane-Reviews sicherzustellen, müssen alle Autoren eine Erklärung unterzeichnen und zwar dahingehend, dass sie der Cochrane Collaboration die Erlaubnis geben, zusätzlich zu ihrem Review eine „Interessenerklärung“ („declaration of interest“) zu veröffentlichen; auch die Redakteure der einzelnen CRGs müssen mögliche Interessenkonflikte offen legen, die sie haben könnten, sowohl auf ihren Modulseiten und im Rahmen des von ihnen betreuten Reviews.

 

Anhang:

General Principle

The essential activity of The Cochrane Collaboration is co-ordinating the preparation and maintenance of systematic reviews of the effects of healthcare interventions performed by individual authors according to procedures specified by The Cochrane Collaboration. The performance of the review must be free of any real or perceived bias introduced by receipt of any benefit in cash or kind, any hospitality, or any subsidy derived from any source that may have or be perceived to have an interest in the outcome of the review. All entities that constitute The Cochrane Collaboration must accept this General Principle as a condition of participation in the organization.

Policy

  1. Receipt of benefits from any source of sponsored research must be acknowledged and conflicts of interest must be disclosed in the Cochrane Database of Systematic Reviews and other publications that emanate from The Cochrane Collaboration.
  2. If an author is involved in a study included in his/her review, this must be acknowledged, as it could be perceived as a potential conflict of interest.
  3. If a proposal raises a question of serious conflict of interest, this should be forwarded to the local Cochrane Centre for review (and the Steering Group notified accordingly). If the issue involves a Cochrane Centre, the issue should be referred to the Steering Group.
  4. It is not mandatory to send funding proposals to the local Cochrane Centre or Steering Group prior to accepting them. However, such reviews would be desirable in cases of restricted donations, or any donation that appears to conflict with the General Principle.
  5. The Steering Group should receive (and review at least annually) information about all external funds accepted by Cochrane entities. The Steering Group will use this information to prepare and distribute an annual report on the potential conflicts of interest attendant on The Cochrane Collaboration’s solicitation and use of external funds.
  6. The Steering Group is considering constituting an Ethics Subgroup to view potential conflicts of interest, to offer recommendations for their resolution, and to consider appropriate sanctions to redress violations of the General Principle

 

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